Die Suche nach Kienspan

Unentbehrlich im Bergbau fand Kienspan als brennender Holzspan ( Leuchtspan ) über Jahrhunderte Verwendung.

Im Gegensatz zum Irrglauben, dass sich Kienspan an sämtlichen Nadelbäumen und sogar an Kirschbäumen finden lässt, findet man ihn eigentlich ausschließlich an Kiefern.

Woran erkennt man Kiefern?

Kiefern haben eine recht dicke, tiefrissige Borke mit groben Schuppen (Waldkiefer). Im Grunde ein relativ zuverlässiges Indiz, um einen Kiefernstumpf von dem eines anderen Nadelbaums zu unterscheiden. Meist liegen um den Stumpf aber auch zahlreiche Kiefernadeln, die leicht verdreht paarweise in Kurztrieben stecken und bis zu 7cm lang werden können.

Wissen sollte man, dass Kienspan erst nach Jahren/Jahrzehnten entsteht!

Kienspan 1

Kiefern sind bekannt für ihre Harzkanäle, in welchen Harz dorthin transportiert werden kann, wo es gebraucht wird – z.B. Verletzung des Baums.

Wird eine Kiefer gefällt, so wird Harz zur Schnittfläche des Stumpfes transportiert, um dort die entstandene „Wunde“ zu versiegeln. Da der Lebenszyklus dieser Kiefer jedoch abrupt beendet wurde, treiben Schwerkraft und Fäulnisprozess das Harz in den Harzkanälen vor sich her, um spätestens in den Wurzeln in einer Sackgasse zu landen. Bei diesem Prozess, der durchaus Jahrzehnte dauern kann, wird das Holz so weit mit Harz angereichert, bis es vollkommen gesättigt ist. Man spricht dann von verkientem Holz bzw. Kienspan.

Kienspan 2

Nun darf und sollte man nicht den Fehler machen, losstiefeln und hoffen, dass man direkt einen passenden Stumpf findet. Weit gefehlt. Mitunter hat man sich 20 Stümpfe zur Brust genommen, um festzustellen, dass man außer vermodertem Holz nichts gefunden hat.

Geduld ist eine Tugend!

Man sollte sich durchaus bewusst sein, dass man sehr schnell sehr kleine Ökosysteme zerstört, wenn man einem Stumpf zu Leibe rückt. Ist man sich also unsicher, so sollte man vorsichtig agieren, um nicht mehr zu zerstören, als zwingend erforderlich ist.

Kienspan 3

Hat man jedoch einen gut geeigneten Kandidaten gefunden, kann man mit den Händen ( ggfs. mit einem Messer ) vorsichtig die Rinde entfernen, um sich ein Bild davon machen zu können, wie es darunter ausschaut.

Kienspan 4

Verkientes Holz ist ziemlich zäh und hart. Es lässt sich also von gewöhnlichem Kiefernholz ebenso gut unterscheiden, wie von vermodertem. Mittels eines Messers, einer Säge oder eines kleinen Beils lässt sich so ein kleines Stück Kienspan (?) entfernen, um mögliche Vermutungen ggfs. zu bestätigen. Die Geruchsprobe sollte hier sämtliche Unklarheiten beseitigen – siehe: Terpentin.

Kienspan 5

Passendes Werkzeug vorausgesetzt, kann man sich nun der Kienspan-Ernte widmen. Man sollte an dieser Stelle aber auf gar keinen Fall vergessen, dass man mit sehr harzhaltigem ( angereichertem ) Holz arbeitet. Hände und Ausrüstung können sehr schnell kleben! Etwas Öl im Schlepptau ( Olivenöl, Ballistol, … ) sorgt für saubere Hände und lässt auch die Säge wieder geschmeidig durch’s Holz gleiten.

Kienspan 2

Wer mit schwerem Gerät – egal ob moderner oder natürlicher Natur – arbeitet, sollte sich zudem bewusst sein, dass man einem höheren Gefahrenpotential ausgesetzt ist. Schnittverletzungen oder Quetschungen sind u.U. vorprogrammiert. Harz besitzt zwar eine gewisse antiseptische Eigenschaft, verhindert aber keine Blutungen, wenn man mit Messer, Säge oder Beil abgerutscht ist und unglücklich getroffen hat. Ein entsprechendes EH-Kit zur örtlichen Erstbehandlung ist daher fast schon zwingend erforderlich.

Kienspan 5

Abhängig davon, wo sich Kienspan ausmachen ließ – nicht selten unmittelbar im Stumpf -, bietet es sich an, direkt passende Stücke mit Säge und ggfs. Beil auszuarbeiten. Diese Stücke lassen sich leichter transportieren, bearbeiten und für den späteren Gebrauch auch einfacher portionieren.

Kienspan 6

Einplanen sollte man aber auch Zeit, denn Kienspan gehört nicht zu den Dingen, die man mal eben im Vorbeigehen mitnimmt. Suche und Ernte erfordern doch schon eine gewisse Aufmerksamkeit. Weiterhin sollte man sich nur für den Eigenbedarf eindecken und keine Wagenladung abtransportieren.

Nimm nur, was du auch brauchst!

Es empfiehlt sich übrigens, mit Förster oder Pächter Rücksprache zwecks Genehmigung gehalten zu haben. Nicht viele denken darüber nach, wenn sie im Wald unterwegs sind, aber man ist doch auf der sichereren Seite, falls man wider Erwarten angesprochen werden sollte.

Ansonsten bleibt mir nur, noch viel Glück bei der Suche und viel Spaß bei der Ernte zu wünschen!

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